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Mohrenkopfpapageien sind für mich eine Alternative zu den großen Papageien, die sich für die Wohnungshaltung gut eignen, wenn man sie jung bekommt.
Ansonsten hat man fast keine Chance ihr Vertrauen zu gewinnen und Wildfänge, wie man sie immer wieder billig angeboten bekommt, sind oft dazu verdammt “Wandervögel” zu werden, das heißt sie wechseln
oft ihren Besitzer. Dies ist natürlich auf dem Weg zum Vertrauensaufbau nicht gerade hilfreich. Wer sich einen Mohrenkopfpapagei anschaffen will, sollte sich genügend Zeit lassen
im suchen eines seriösen Züchters um so ein wirklich junges und gesundes Tier erwerben zu können. Mohrenkopfpapageien gehören zu der Gattung der Langflügelpapageien. Meine ersten 2 Mohrenkopfpapageien, die 1997 zu mir kamen, waren Wildfänge und sehr scheu.
Es war ein Weibchen, welches schon länger in einer Familie lebte, ganz kahl und recht aggressiv war. Zur Verpaarung gesellte ich ein Männchen dazu. Sobald man das
Vogelzimmer betrat, ging die Flatterei los. Heute lebt dieses Paar bei einem einem Schwarm Mohrenkopfpapageien und hat dort auch schon gebrütet. Allerdings muß dieses
Paar extra gehalten werden, da das Weibchen immer noch nicht fliegen kann.
Ob mittlerweile eine Brut erfolgreich war, weiß ich nicht. Ich denke aber diesen scheuen Vögeln geht es mit so wenig Menschenkontakt
wie möglich am Besten, was ich in der Wohnung einfach nicht bieten konnte. Von meinen zahmen Mohrenkopfpapageien war Flori(ane) die Erste.
Ich kaufte sie als einen Hahn, erst als Kiki, ein endoskopiertes Weibchen, dazukam, stellte es sich heraus, dass Flori eine Floriane ist. Ich habe anhand einer Feder das Geschlecht bestimmen lassen
. Nun war guter Rat teuer, denn nun hatte ich 2 Weibchen, die in keiner Weise miteinander klar kamen. Flori(ane) war immer die Unterlegene und so hielt ich beide in Einzelkäfigen. Dann machte
ich mich auf die Suche nach einem echten Partner für Flori(ane)und fand nach weiterer halbjähriger Suche einen Züchter, der praktisch bei mir vor der Haustür ist. So kam dann Charly zu mir. Kiki, bekam immer mehr Probleme mit den anderen Vögel, egal ob Graupapagei oder
Langflügel und da ich ihr einfach nicht genug Möglichkeit zum alleinigen Freiflug geben konnte, suchte ich für sie einen Platz, dieser wurde dann auch nach über einem Jahr gefunden.
Flori(ane) ist gegenüber allen Neuankömmlingen immer recht lieb und zeigt wo es lang geht, im Guten und im negativen Sinn. Das heisst sie zeigt zum Beispiel wo
es was zu fressen gibt, aber sie zeigt auch was man nicht darf und beobachtet sehr genau wie ich darauf reagiere. Schimpfe ich nicht macht sie es sofort auch,
obwohl sie weiss, dass es eigentlich verboten ist. (beispielsweise das Landen auf Lampen, sie hat es sogar meinem Graupapagei gezeigt, nach 2 Mal ging dann bei mir im Wohnzimmer das Licht aus)
Flori(ane) ist ganz arg liebebedürftig, aber nicht direkt eifersüchtig, dies aber auch erst seit Charly und sie ein einer eigenen Voliere leben.
Flori(ane)pfeifft Melodien nach und ist immer an vorderster Front wenn es um was zum Anstellen geht. Auch kennt sie keine Angst, nur bei Fremden ist sie sehr schüchtern.
Als letzter meiner Mohrenkopfpapageien kam Charly ins Haus. Mit 56 Tagen
holte ich ihn aus dem Nest und fütterte Ihn noch mit der Spritze. Nach meinen Erfahrungen mit Flori lies ich bei Charly vor dem Kauf das Geschlecht feststellen
. Kaum war eine genügend große Feder gewachsen, wurde sie entnommen und eingeschickt. Dies ist einer der wesentlichen Vorteile der DNA Untersuchung im Vergleich zur Endoskopie, die in diesem Alter nicht möglich ist.
Charly lernte von Anfang an allen Blödsinn von Flori(ane). Heute ist Charly der tonangebende Vogel in der Vogelrangordnung und weicht keinem Machtkampf aus.
Ausserdem liebt er das Loch des Nistkastens. Gebissen, auch nur aus Spaß hat er noch nie, was ich von Flori nicht sagen kann. Die beiden sind immer unzertrennlicher geworden, worüber ich mich sehr freue.
Da ich immer wieder mal Mohrenkopfkinder zur Handaufzucht hier habe, ist es immer wieder nett zu sehen wie eine
Sozialisation stattfindet.
Für diese ist es für die Jungvögel wichtig, Erfahrungen mit Flori(ane) und Charly zu
sammeln. Flori(ane) ist eine gute Hilfe bei der Fütterung während Charly die Kleinen immer nicht so mag und sie als Eindringlinge ansieht, bes. die Hähne. Allein an seinem Verhalten kann ich
schon recht gut einschätzen, ob die Kleinen Hahn oder Henne sind. Hier sind Bilder einer
Mohrenkopfhandaufzucht.
Flori und Charly sind ein Paar, dass trotz seiner Zahmheit, sehr gut mit Beziehungsperson und
miteinander zurecht kommt. Flori ist in all den Jahren sehr anhänglich geworden. Zu Besuchern ist sie aber recht vorsichtig. Charly ist weiterhin Chef der Langflügelbande. Der immer wieder lautstark sein Recht einfordert. Sind Mohrenkopfpapageien besonders aggressiv?
Da ich immer wieder gefragt werde, ob die Mohrenkopfpapageien besonders zu Aggressivität
neigen oder auch sehr scheue Vögel sind möchte ich hierzu noch einiges schreiben. Besonders auch in jüngerer Literatur wird die Haltung von Mohrenkopfpapageien sehr kritisch gesehen.
Meine Erfahrungen bestätigen dies nicht. Allerdings wird der Mohrenkopfpapagei wegen seiner Größe oft unterschätzt. Leicht wird er mit Agas vergleichen oder gar vertauscht, Rosenköpfchen, Schwarzköpfchen und Mohrenköpfchen
werden in einem Atemzug genannt. So gerne ich Agas mag, aber das trifft auf den Mohrenkopfpapagei einfach nicht zu, er ist ein echter Papagei und eine kl. Persönlichkeit.
Dies sollte man als Halter bedenken und auch berücksichtigen. Er hat seine Bedürfnisse und will auch einmal anders als der Halter, teilweise sind sie sogar recht eigenwillig. Durch
meine Beobachtungen kann ich aber auch feststellen, dass sie eine sehr deutliche Körpersprache einsetzen. Diese ist
im Umgang mit ihnen zu beachten dann ist schon viel gewonnen.
Meine Mohrenkopfpapageien wissen genau, wann ich etwas unter allen
Umständen will und das gilt dann auch, aber es gibt auch genug Situationen, indenen ich den Willen der Vögel akzeptiere, z.B. zwinge ich keinen zu mir auf
die Hand zu kommen, oder auch ihre Voliere ist ihr Reich, dort bestimmen sie, soweit möglich. Ein weiterer Punkt der nicht bedacht wird, ist, dass immer noch Wildfänge zu
uns legal in die BRD kommen. Diese Vögel sind zu 85% nicht zu zähmen, bleiben oft ängstlich und laut und nicht zuletzt aggressiv. An dieser Stelle ergeht von
mir an alle die Bitte, bitte kaufen sie keine Wildfänge, es gibt genug Nachzuchten sodass man die Tiere in der Natur belassen sollte. Nur wenn es keine Nachfrage mehr nach Wildfängen gibt, wird es wohl keine großen
Fangaktionen mehr geben und die Tiere dürfen in der Natur bleiben .
Auch bei Handaufzuchten muss beachtet werden, dass sie nicht zu früh und ohne Geschwister durchgeführt wird. Denn die Jungvögel müssen viel für die Sozialisation
lernen um dann bei der Geschlechtsreife keine Probleme zu bekommen. Wichtig ist meiner Meinung auch, dass die Tiere blutsfremd und vor allem gegengeschlechtlich zusammengestellt werden, egal wie, auf jeden Fall
sollte man die Tiere paarweise halten. Ein weiterer Punkt ist, dass man den Vögeln auch für ihre Partnerschaft Zeit lassen sollten, denn wenn ein für die Tiere liebgewordener Mensch die
Beziehung zu sehr stört kann dies sehr schnell zur Eifersucht der Vögel führen. Manchmal muss hier ein Abstand zur Bezugsperson geschaffen werden um die Vögel für eine neue Beziehung “frei” zu machen. Haben sich
die Vögel gefunden, können sie meist problemfrei wieder in ihr gewohntes Umfeld zurück. Beide gleich behandeln und auch nicht immer Kontakt zu ihnen aufnehmen, hilft da meist auch sehr viel.
Für mich sind Mohrenkopfpapageien so aggressiv und sensibel wie andere Papageien auch, die jeder ganz für sich ihre Eigenarten und Vorlieben haben, welche man durch Beobachtungen und Geduld verstehen lernen und auch
tolerieren muss.
Meine beiden sind zahm, lieb zu mir und auch gegenseitig, nur Charly rupft
Flori manchmal am Hinterkopf wenn er “brutig” ist und Flori nicht will.
Vieles des hier auf Mohrenkopfpapageien angewendetem, ist auch für andere Langflügelarten zu beachten.
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