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Papageienatrium
Letztes Update:
Juni 2009

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Meine Erfahrungen mit der Haltung / Zucht von Müllers – Edelpapageien
( Tanygnathus – Sumatranus – Sumatranus )

Bettina Buchmüller   88483 Burgrieden  Deutschland

In der Vogelhaltung und Zucht ist der Müllers Edelpapagei praktisch unbekannt.
Er gehört zur Gattung der Großschnabelpapageien.
Es gibt nur spärliche Informationen über diese Art, darum bin ich bemüht etwas mehr über diese für mich besonderen Vögel zu schreiben.

Beschreibung:
Gesamtlänge ca. 32 cm
Beide Geschlechter sind überwiegend grün gefärbt, Hinterrücken und Bürzel sind himmelblau. Die kleinen Flügeldecken sind gelb gesäumt, die Hand und Schulterdecken blau gesäumt, wobei das Männchen mehr blau besitzt als das Weibchen.
Der Schnabel des Männchens ist rot, der des Weibchens hornfarben, wobei der Schnabel des Männchens mit jedem Jahr dunkler wird.
Neben der Nominatform, der meine Vögel angehören, sind derzeit noch fünf weitere Unterarten bekannt die sich vor allem durch die Tönung des grünen Gefieders und der blauen Partien sowie an der Farbe der Iris unterscheiden.
T. Sumatranus – Sumatranus heller bis gelber Irisring ( Nominatform )
T. Sumatranus – Sangirensis heller bis gelber Irisring
T. Sumatranus – Burbidgii  roter Irisring
T. Sumatranus – Everetti orangener Irisring
T. Sumatranus – duponti orangener Irisring
T. Sumatranus – freeri orangener Irisring

Verbreitung:

Die Nominatform lebt auf Sulawesi, einschließlich der kleinen Inseln vor der nördlichen Halbinsel, auf Togian, den Banggai – Inseln sowie Butung und Muna.

Mein erster Papagei war ein männlicher Müllers Edelpapagei der als Heimvogel bei mir im Wohnzimmer lebte.
Nach zwei Jahren gesellte ich ihm ein Weibchen dazu, ich dachte damals ich tue ihm einen Gefallen, aber das war zumindest anfangs ein Irrtum.
Beide Vögel waren Handaufzuchten und beide waren aufeinander eifersüchtig.
Es dauerte über ein Jahr bis das Männchen sein Weibchen fütterte.Nachdem beide Vögel vier Jahre alt waren hatten sie das erste Mal erfolgreich im Wohnzimmer gebrütet. Die beiden waren es gewohnt, und ließen sich nicht von uns stören.
Nachdem wir aber Kinder hatten mussten die Vögel in ein extra als Vogelzimmer eingerichteten Raum umziehen was ihnen nicht gefiel.
Sie haben ihre Jungen verhungern lassen.

Haltung:

Da wir in einem Gebiet wohnen, wo die Nachbarn sehr eng angrenzen, ist es mir leider nicht möglich die Vögel ins Freie zu lassen.
Die Voliere wird immer alle 2 Wochen mit neuen Ästen ausgestattet.
Weidenäste hänge ich zusätzlich in die Voliere zur Beschäftigung, da das Nagebedürfnis sehr groß ist.
Meine Papageien werden jeden Tag mit warmem Wasser aus der Blumenspritze besprüht, was sie sehr genießen. Wobei es bei den Jungtieren manchmal etwas ängstlichere Tiere gibt die werden nicht zum baden gezwungen.
Die Blumenspritze wird mit kochendem Wasser gefüllt und gereinigt damit sich keine schädlichen Keime entwickeln.
Im Vogelraum habe ich noch zusätzlich eine Arcadia Bird Lampe wegen dem UV Licht.
Habe aber eine Glasfront mit Fenster und Türe die im Sommer immer den ganzen Tag geöffnet ist. Die Tür ist mit einem Fliegengitter gesichert damit ich nicht Besuch von Katzen im Vogelzimmer habe.

Fortpflanzungsverhalten:
Zuerst hänge ich natürlich den Nistkasten auf.
Die Größe: 30 cm x 35 cm Grundfläche, 60 cm höhe, mit einem Schlupfloch von 10 cm Durchmesser.
Als Einstreu verwende ich Buchenholzgranulat und Tannenholz.
Zuerst schaut sich das Männchen von außen den Nistkasten an, er klopft wie ein Specht gegen das Holz und springt dann schnell zurück und wartet mit sicherem Abstand ob ein anderer Vogel aus dem Kasten kommt.
Wenn er vor dem Kasten sitzt und nicht mehr zurückweicht kommt das Weibchen um sich das näher anzuschauen.
Das Weibchen bestimmt wann es bereit ist eine Brut anzufangen.
Sie ist der dominante Partner, das Männchen muss seine Angst vor dem Weibchen überwinden, gelingt das nicht, wird es keinen Erfolg und keine Brut geben.
Mein Männchen hatte richtige Angst vor seiner Partnerin, auch heute noch nachdem sie nun seit 1996 zusammen sind fliegt er sofort weg wenn sie kommt.
Ist das Weibchen in Brutstimmung, so rutscht sie auf dem Ast ganz langsam in Richtung des Männchens, legt den Kopf in den Nacken und gibt gurrende Geräusche von sich.
Hat sie den Hahn erreicht und sitzt neben ihm wird so lange gegurrt bis er nachgibt.
Sollte er nicht mögen, stößt sie ihn leicht mit dem Schnabel und gurrt noch lauter.
Er steigt mit beiden Füßen auf den Rücken des Weibchens um zu kopulieren.
Danach wird das Gefieder geschüttelt, das Weibchen lässt sich füttern um anschließend mit lautem Schrei im Kasten zu verschwinden.
Ist der Hahn aufgeregt oder möchte dem Weibchen imponieren so schreitet und stampft er breitbeinig mit den Füßen.
Da mein Männchen zahm ist und spricht kann das manchmal sehr komisch sein.
Er stampft und sagt immer Komm Ira ( So heißt das Weibchen ) komm her.
Bei der Gattung Tanygnathus ist es typisch dass die Paare sich nicht kraulen.
Es findet lediglich Partnerfüttern statt und auch nur in dieser Zeit sitzen die Tiere nebeneinander, ansonsten halten sie Abstand.
Es gab schon Züchter die die Tiere abgegeben haben weil sie dachten die Tiere harmonieren nicht, dabei ist ihr Verhalten Arttypisch.
Wenn das Weibchen anfängt im Kasten zu schlafen und in der Einstreu scharrt, ist das ein gutes Zeichen dass sie bald mit der Brut beginnen möchte.

Gelege und Aufzucht

Das Gelege besteht aus 3-4 Eier die in der Regel im Abstand von ca. 2 -3 Tagen gelegt werden, ich habe aber auch schon nach zwei Eiern über eine Woche auf das dritte Ei warten müssen.
In der Regel sitzt das Weibchen ab dem zweiten Ei fest auf den Eiern und brütet.
Die Brutdauer beträgt 25 Tage.
Das Weibchen brütet allein, das Männchen darf nicht in den Kasten.
Mir fiel auf dass selbst schon bei den Jungtieren die Weibchen noch im Kasten schlafen und die jungen Männchen schon beim Vater draußen sitzen bleiben um zu schlafen.
Ist ein Ei gelegt worden so schaut mein Männchen ins Schlupfloch und ruft immer Hallo.
Wenn ein Junges geschlüpft ist greift er mich an und schreit aber wenn ich das Kleine nicht anschaue.
Man merkt einfach dass er früher mit uns im Wohnzimmer gelebt hat.
Die Jungen kommen nahezu nackt zur Welt, können aber schon recht bald ihren Kopf heben.
Im Alter von ca. 10-15 Tagen je nach Entwicklung der Jungen beringe ich Sie mit 9,5 er geschlossenen Ringen.
Die ersten Kiele kommen an den Flügeln mit ca. drei Wochen zum Vorschein.
Der anfangs rosafarbene Schnabel wird bräunlich und der Kopf sieht nun langsam grau aus wegen der Kiele die nun wachsen.
Ab der sechsten Woche werden viel die Flügel bewegt, wobei der ganze Nistkasten wackelt und das Weibchen öfter mal mit den Jungen schimpft.
Ab der siebten Woche schauen die Kleinen schon frech aus dem Kasten heraus, ab der achten Woche verlassen sie ihn, wenn nicht jagt das Weibchen sie hinaus.
Das Weibchen hat schon zwei Jungtiere verletzt, ich weiß nicht warum, ist es das Gefühl wir sind eine Gefahr und sie möchte sie von uns weg treiben???
Ich bin mir da noch nicht so ganz sicher.
Es gab nie große Probleme nur als sie 2003 in das Vogelzimmer umziehen mussten, haben sie das Jungtier in der zweiten Woche und einmal in der dritten Woche nicht mehr gefüttert.
Danach gab es keine Probleme mehr, vielleicht war es die Umstellung von der Wohnung in ein separates Zimmer, was ich annehme.
Die letzte Brut war 2006 für die Vögel ein großer Erfolg, sie hatten vier Eier alle Nestlinge sind geschlüpft und groß geworden, ich musste nicht einmal zufüttern.
Und das Weibchen hat sie nicht angegriffen nachdem sie ausgeflogen waren, denn da hatte ich schon die größten Befürchtungen gehabt.
Sie wurden erstklassig versorgt.
Bei früheren Bruten musste ich die Jungen nach dem Ausfliegen mit dem Vater extra setzen damit sie Mutter sie nicht verletzen konnte.
Oder die Kleinen von Hand ab der sechsten Woche aufziehen.
Ich selbst ziehe aber die Naturbrut vor, und füttere so wenig wie möglich zu.

Ernährung:

Folgendes Futter gebe ich meinen Müllers Edelpapageien:

In der Brutpause

Während der Jungenaufzucht

 

 

Körnermischung ohne Nüsse und wenig Sonnenblumenkerne

 

Banane und Apfel

Je nach Verfügbarkeit aus dem Garten
Weintrauben

Kirschen

Johannisbeeren

Himbeeren

Löwenzahn

Vogelmiere

Eberesche

Hagebutte

Mais ( ich friere einen Vorrat ein )

Exotisch Früchte werden nicht so gut angenommen.

Karotten

Staudensellerie

 

Ins Wasser Vitakombex

 

Über das Obst Prime von Hagen

 

Einmal wöchentlich Korvimin zur freien Aufnahme

Eifutter befeuchtet mit Wasser

In das Eifutter gebe ich Korvimin

etwas Kochschinken

Papageienmischung ohne Nüsse aber mit Sonnenblumenkernen

Banane und Apfel

( anderes Obst wird in der Zeit nicht genommen )
 

Karotten
Staudensellerie

Kartoffeln, Brokkoli gekocht und noch warm

 

Ins Wasser gebe ich Vitakombex



Ja ich koche für meine Vögel, ich bin schon oft gefragt worden ob das denn nötig sei?
Wenn sie es nicht gewohnt sind muss man das natürlich nicht tun, aber mein Paar genoss alle Vorzüge im Wohnzimmer, bekam zwar nie was gesalzenes oder süßes, aber eben gekochte Kartoffel, Brokkoli usw.
Sie sind es gewohnt während ihrer Jungenaufzucht was Besonderes zu bekommen,bekommen sie es nicht sind sie beleidigt und füttern nicht mehr so gut.
Die Nestlinge werden Anfangs vor allem mit Eifutter gefüttert, ab dem fünften Tag wird diese Nahrung mit Karotten ergänzt.
Während der weiteren Aufzucht wird gekochtes Gemüse bevorzugt, ab der dritten Woche steigt auch der Anteil an Banane.
Ab der vierten Woche wird auch wieder viel Körnerfutter genommen und das Weibchen nimmt wieder selber Nahrung zu sich und lässt sich nicht mehr nur vom Männchen füttern.

Die Aufzucht von vier Müllers Edelpapageien

Das war eine schöne Aufregung, Ich hörte das erste Piepsen und entdeckte den ersten Nestling am 27.07.06.
Er wurde gut versorgt und am nächsten Tag folgte Nummer zwei.
Ich freute mich sehr dass zwei Vögel geschlüpft waren und konnte es nicht glauben als am 29.07.06 ein drittes im Kasten lag. Für mich war nun eigentlich klar dass kein viertes mehr schlüpft, das konnte einfach nicht sein, das war noch nie der Fall.
Am nächsten Tag schaute ich nach ob alle Kleinen sich noch bewegten, machte die Kontrolltüre zu, auf einmal dachte ich mir da war was anders als vorher. Ich schaute noch einmal rein und fand das Ei nicht mehr.
Nun fing ich an zu zählen, was gar nicht so einfach war, denn sie liegen ja so übereinander.
Ich stellte fest es waren vier….ich wusste nicht soll ich mich freuen oder Angst haben dass sie nicht füttert?
Denn eine Handaufzucht mit so Kleinen wollte ich mir nicht antun, da ich selbst noch sehr kleine Kinder habe.
Das Aufziehen von Nestlingen hätte ich nicht geschafft.
Aber das Weibchen hat mich überrascht, sie hat mit Hilfe des Männchens alle vier Jungen vorbildlich aufgezogen.
Nun riefen mich alle möglichen Leute an die dringend Männchen suchen, ob ein Männchen dabei ist.
Es war ein Männchen dabei, das ich jedoch selber behalten habe um noch ein weiteres Paar aufzubauen.
Nun hatte ich Glück und bekam von einem Züchter ein blutfremdes flugunfähiges Weibchen.
Und das Beste sie vertrugen sich sehr gut.
Obwohl das Weibchen nun drei Jahre ist und das Männchen erst ein Jahr alt wurde.
Nun hoffte ich natürlich dass aus dem Paar auch noch irgendwann ein erfolgreiches Zuchtpaar wird, aber es kam anders als ich dachte...
Ich bekam ein flugunfähiges Männchen zurück das ich mal abgegeben hatte.
Pedro ist von 1999 und natürlich Geschlechtsreif, da er auch nicht fliegen kann passten die Beiden sofort optimal zusammen. Bereits nach 3 Tagen fütterte er sein Weibchen.
Das junge Männchen saß noch bei Ihnen, fand aber immer weniger Beachtung und wurde immer öfter verjagt. Daraufhin beschloss ich ihn abzugeben.
Pedro + Kiara verstehen sich sehr gut, ich bin gespannt ob Sie bald in den Kasten geht.

Geschlechtsunterschied:

Bei den Altvögeln kann man das Geschlecht gut unterscheiden, beim Männchen ist der Schnabel rot, beim Weibchen hornfarben.
Bei den Jungvögeln sieht man das noch nicht, die Schnäbel sind bräunlich und färben sich erst mit ca. 1-2 Jahren um.
Aber auch das kann variieren beim einen dauert es länger beim anderen kürzer.
Ich selbst lasse im Alter von ca. 6 Wochen eine DNA Analyse der Feder durchführen,
somit weiß ich schon recht früh was für Geschlechter ich habe und kann den jeweiligen Interessenten bald Bescheid geben.
Ansonsten kann ich oft anhand der Kopfform und am verhalten feststellen was für ein Geschlecht ich vor mir habe:
Die Männchen haben einen schmaleren Kopf und die Augen sind schmäler etwas Schlitzartig.
Die Weibchen haben große Augen und drohen mir schon im Nistkasten mit aufgestellten Flügeln.
Auf diese Anzeichen kann ich recht gut gehen, wobei ich mich eben immer noch absichere mit der DNA.
Ich weiß natürlich nicht ob das nur bei meinem Paar so ist, die Kopfform kann ja bei einem anderen Paar wieder ganz anders sein. Ich kann hier nur von meinem Paar berichten.

Sonstiges:

Müllers Edelpapageien sind auch nachts aktiv, wenn sie draußen etwas hören wird laut geschrien, darum ist es mir nicht möglich die Vögel draußen im Garten zu halten.
Die Nachbarn würden aufrecht im Bett sitzen wenn die Vögel loslegen.Darum sind sie im Innenraum und die Türe wird geschlossen.
Die Männchen sind sehr sprach begabt, können Worte und ganze Sätze sprechen. Auch lachen und selbst Melodien komponieren können sie auch.
Die Weibchen haben keinerlei Talent etwas nach zu ahmen. Zumindest hatte ich noch keines das gesprochen oder gepfiffen hätte.

Mir haben diese Papageien schon immer gefallen, sie sind für mich etwas besonderes,
das man auch nicht sehr oft findet.Schade ist, dass man manchmal lange warten muss, bis man einen Partner dazu gesellen kann , da die Art einfach nicht oft gezüchtet wird.
Man braucht viel Geduld, aber die wird durch die Schönheit der Tiere belohnt.
Für Fragen stehe ich sehr gern zur Verfügung,
Auch bin ich an einem Kontakt mit Züchtern dieser Art und generell Tanygnathus Arten sehr interessiert.
Danke an alle die mich unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.